Hilfe, mein Hund ist dominant!

Da unsere Hundeschule neben Welpen auch auf die Therapie von Problem-hunden spezialisiert ist, werden uns entsprechend häufig Hunde mit auffälligem Verhalten gegenüber Artgenossen oder Personen vorgestellt. Beispielsweise bellen diese an der Leine jeden Hund an oder legen sich im Freilauf flach auf den Boden, bevor sie auf den anderen Hund zuschleichen, um dann auf ihn zuzuspringen. Manche Hunde verharren auch einfach in dieser scheinbar bedrohlichen Lauerstellung. Andere von ihnen knurren beim Fressen ihren Halter an oder lassen sich kein Spielzeug wegnehmen.

Oftmals haben die besorgten Hundehalter schon mehrere Trainer hinter sich und berichten davon, dass ihr Hund laut diesen aufgrund von Dominanz aggressiv sei.
Doch stimmt das wirklich?

Dominanz als Charaktereigenschaft?

In der wissenschaftlichen Betrachtung ist Dominanz keine pauschale Charaktereigenschaft, sondern vielmehr ein aktueller Zustand zwischen zwei Individuen, die in einer bestimmten Beziehung zueinander stehen. Es geht daraus hervor, dass es "den" dominanten Hund, der sein Leben lang versucht, die Weltherrschaft zu erlangen, nicht gibt.
Dominanztheorien, die besagen, dass ein aggressiver Hund stets aus dem Grund handelt, den anderen Hund unterdrücken zu wollen, sind mittlerweile veraltet und überholt.

Angst als versteckte, unerkannte Ursache

Hinter aggressivem und scheinbar dominanten Verhalten, insbesondere dem sogenannten "Scheinangriff", also dem Verharren in einer Lauerposition, ggf. mit anschließendem Zuschießen auf den fremden Hund, steckt in Wirklichkeit häufig eine unerkannte Angstproblematik.
Der Hund versucht mit seinem Verhalten, den anderen von sich fernzuhalten oder diesen bereits im Vorfeld einzuschüchtern, um einem möglichen Angriff vorzubeugen. Die oftmals sicher wirkende Körpersprache (Rute nach oben, Fell aufgestellt, Ohren und Gesichtszüge nach vorne ausgerichtet) bedeutet nicht, dass der Hund sich gegenüber dem anderen Hund sicher fühlt. Es bedeutet nur, dass er gelernt hat, mit dieser Methode erfolgreich andere Hunde oder einen Angriff abzuwehren. Denn auch, wenn der andere Hund sowieso weitergegangen oder friedlich gewesen wäre, denkt unser Hund, dies nur mit seinem vorbeugenden, pöbelnden Verhalten möglich gemacht zu haben. Er wird also immer sicherer in dem was er tut, jedoch nicht gegenüber dem anderen Hund. Besonders diese Hunde werden immer wieder fälschlicherweise als dominant eingestuft.

Auch die Aussage "Wenn er Angst hätte, würde er doch nicht zu jedem Hund hinwollen?!" bekommen wir häufig zu hören. Dies betrifft häufig Hunde, die in der Hundeschule zu Beginn der Stunde spielen bzw. Hundekontakt haben durften und entsprechend gelernt haben, dass sie sich mit jedem Hund, den sie erblicken, auseinandersetzen müssen, egal ob sie wollen oder nicht. Hier handelt der Hund ganz einfach nach dem Motto "Vorsorge ist besser als Nachsorge" - er schüchtert den anderen lieber einmal zu viel ein, als von einem unerwarteten Hundekontakt überrascht zu werden und entsprechend nicht ausreichend darauf vorbereitet zu sein.

 

Selbst Hunde, die beispielsweise ihren Napf verteidigen, haben ein Angstproblem als Ursache. Häufig betrifft das ehemalige Straßenhunde, die schon erleben mussten, wie ihnen das lebensnotwendige Futter geklaut wurde. Sie haben also Angst davor, dass ihnen etwas weggenommen wird.
Übrigens: Im Wolfsrudel darf auch der rangniedrigste sein Futter gegenüber dem Ranghöchsten verteidigen, denn die Futterrangordnung steht außerhalb der normalen Rangordnung. Ein Hund, der sein Futter gegenüber seinem Halter verteidigt, ist also nicht automatisch der "Chef" im Haus.

Straforientiertes Training

Diese Hunde wurden also bisher missverstanden und entsprechend der falschen Dominanztheorie mit Unterdrückung und ggf. sogar Strafen behandelt.

Solch ein Training mit aggressiven Hunden ist tükisch - durch die negativen Impulse, wie z.B. Anbrüllen, Leinenruck oder Stupsen in die Seite, wird die ganze Situation für den Hund negativ beleuchtet. D.h. wenn man beispielsweise in Gegenwart von fremden Hunden so trainiert,
werden diese beim fälschlicherweise als dominant eingestufen Hund, immer negativer abgespeichert. Der Hund lernt: Die Anwesenheit anderer Hunde tut weh! Entsprechend wird sich seine Angst und somit auch das Problem verschlimmren. Entsprechend wird zu immer härteren Methoden gegriffen, da der Hund scheinbar außergewöhnlich dominant zu sein scheint. Eine Spirale von Strafen und Angstverstärkung beginnt.
Wenn die Halter solcher Hunde ihren Weg dann letztlich zu uns finden, haben die Hunde oft bereits
jegliches Vertrauen in sich selbst, ihre Besitzer und auch in den Hundetrainer verloren. Häufig hören wir die Aussage, der Hund sei als untherapierbar eingestuft worden oder einfach "extrem dominant".

Wie es weitergeht

Bei uns lernt der Hund zunächst wieder Vertrauen zu fassen. Wir polen die negativen Emotionen, beispielsweise beim Anblick eines Hundes, wieder in positive Gefühle um.

Nachdem wir die Halter über den bisherigen Irrtum und die damit falsche Behandlung des Hundes aufgeklärt haben, folgt meist ein schlechtes Gewissen - den Besitzern wird klar, wie sich der Hund im Training gefühlt haben muss und bereuen häufig die geschehenen Dinge.
Ein schlechtes Gewissen braucht jedoch niemand zu haben - denn sicherlich glaubte jeder von ihnen, stets das Beste für seinen Liebling zu tun, insbesondere, da es auf Anweisung einer Fachperson geschah.

Fazit

"Den" dominanten Hund gibt es nicht - hinter fast jeder als Dominanz-Problematik eingestuften Verhaltensauffälligkeit, steckt in Wirklichkeit ein unerkanntes Angstproblem. Auch die Ressourcenverteidigung basiert häufig auf Angst, nämlich der, dass einem etwas weggenommen wird.

Mithilfe von positiven Trainingsmethoden und der Verbesserung der Beziehung zwischen Hund und Halter sind auch vermeintlich "austherapierte" Hunde zu einer enormen Verhaltensveränderung fähig.

 

Wir hoffen, mit diesem Artikel viele Hundehalter zu erreichen um ein Umdenken stattfinden zu lassen.
Schließen Sie mit der Vergangenheit ab und konzentrieren Sie sich auf das positive Training auf Basis einer harmonischen Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Hund. Hunde sind nicht nachtragend! Betrachten Sie das Geschehene als Lernaufgabe und nutzen Sie Ihr neu erworbenes Wissen um Ihrem Hund zu helfen und vielleicht auch andere Halter auf diesen Irrtum aufmerksam zu machen.


Sie besitzen einen solchen Hund und wissen nicht mehr weiter? Dann rufen Sie uns an und vereinbaren einen Termin: 015774222779
Wir helfen Ihnen gerne in einem persönlichen Einzeltraining!

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