Ist ein Welpenkindergarten ohne Besitzer sinnvoll?

Fröhlich purzeln die Welpen links im Bild übereinander. Über die Wichtigkeit der gleichaltrigen sozialen Kontakte von Hundewelpen haben wir bereits berichtet (siehe "Warum Welpenspiel wichtig ist").

 

Nun sind aber aufgrund der aktuellen Krise die Hundeschulen bereits über mehrere Wochen geschlossen, so dass keine Welpengruppen besucht werden können. Einige bayrische Hundeschulen bieten daher neuerdings Welpengruppen ohne Anwesenheit des Besitzers an. Der Halter gibt seinen Hund am Eingang ab und kann ihn nach 45 bis 60 Minuten wieder abholen. Sozialisierung ohne Halter - macht das wirklich Sinn?

Betrachten wir zunächst kurz, wozu eine Welpengruppe eigentlich dienen sollte. Neben dem Erlernen von Grundkommandos wie dem Rückruf oder Sitz und Nein, sollte auch ausreichend Möglichkeit zur Habituation und Sozialisation geboten werden. Die Welpen dürfen verschiedene Gegenstände kennen lernen und kleine Herausforderungen meistern, wie beispielsweise unter einer Flatterband-Hürde durchzugehen. Dabei benötigen die Hunde zur Anleitung und zum Aufbau des Vertrauens ihren Besitzer. Sämtliche Übungen fallen somit in einem "Welpenkindergarten" weg. Dementsprechend bleibt nur noch das soziale Spiel übrig. Wie Sie aus unserem Artikel über das Welpenspiel eventuell bereits wissen, sollte Sozialspiel unter Welpen jedoch maximal 10-15 Minuten am Stück dauern. Diese Zeitspanne reicht für den ganzen Tag. Werden die Welpen nun 45 oder gar 60 Minuten zum Spielen geschickt, ist das viel zu viel für unsere Kleinen. Spiel ist wahnsinnig anspruchsvoll und erfordert ständiges Mitdenken des Welpen. Zusätzlich ist der Körper durchgehend im Einsatz und muss auf die Aktionen des anderen Welpen reagieren. Der Welpe erfährt in der Regel bei einer Spieldauer von über 15 Minuten puren Stress. Wenn der Besitzer nicht vor Ort ist, wird es schwer fallen, die Welpen zum Pause machen zu überreden, denn die schützenden Beine der vertrauten Bezugsperson sind nicht da. Um eine ausreichende Betreuung gewährleisten zu können, müsste pro Welpe jeweils ein eigener Trainer vor Ort sein. Bei Welpengruppen mit zehn oder mehr Welpen bedeutet dies, dass mindestens 10 Trainer auf dem Hundeplatz sein müssten. Abgesehen von der Sinnhaftigkeit im Bezug auf die aktuellen Regelungen, nun statt 10 Besitzern eben 10 Trainer beisammen stehen zu lassen, wird kaum eine Hundeschule diese Kapazitäten haben.

 

Doch selbst, wenn die Voraussetzung erfüllt wird, dass jeder Welpe seinen eigenen Trainer als Rückzugsperson hat und wir die viel zu lange Spielzeit mal außer Acht lassen, fehlt es an etwas ganz entscheidendem: Die Welpen lernen nicht, dass sie bei Unsicherheiten oder Mobbing von ihrem eigenen Halter geschützt werden. Der Halter lernt zudem ebenso nicht, wann es Zeit wird, einzugreifen und wie der Welpe korrekt geschützt wird. Dies wird bei manchen Hundeschulen per Video-Erklärung gelöst, jedoch bleibt ersteres Problem trotzdem bestehen. Der Welpe wird lernen, dass er sich mit jedem Hund, dem er begegnet, auseinander setzen muss und sein Halter ihm nicht zur Seite steht. Er lernt, dass er Hundebegegnungen alleine regeln muss. Diese Erfahrung ist deutlich nachhaltiger und führt zu wesentlich mehr Problemen, als wenn der Welpe keine Welpenschule besucht.

 

Wie auch wir, erleben viele Kollegen gerade finanzielle Schwierigkeiten und nie da gewesene Herausforderungen. Auch wir hätten mit unserem eingezäunten Hundeplatz die Möglichkeit, einen Welpenkindergarten anzubieten. Da wir jedoch tagtäglich im Problemhundetraining mit erwachsenen Hunden konfrontiert werden, deren Grundstein der Probleme bereits in der Welpenschule gelegt worden sind, wird es diese Möglichkeit bei uns nicht geben. Wir raten dringend davon ab, den Welpen zum Sozialspiel bei einer Hundeschule abzugeben. Der Schaden wird größer sein, als der Nutzen.

 

Wie soll ich meinen Welpen stattdessen sozialisieren?


Wir empfehlen jedem Welpenbesitzer, sich über die sozialen Netzwerke mit einzelnen Welpenhaltern zum kurzen Spiel zu verabreden. Nach den aktuellen Regelungen ist es erlaubt, sich mit einer (1) haushaltsfremden Person zu verabreden.
Lassen Sie die Welpen nach Möglichkeit nicht sofort zusammen, sondern zeigen Sie ihnen, dass andere Hunde erstmal keine Aufregung bedeuten. Wenn Sie ein paar Meter gegangen sind und sich beide Hunde ruhig verhalten haben, ohne zueinander zu ziehen, zu bellen oder ähnliches, darf das Spiel beginnen! Nach etwa 10-15 Minuten sollte spätestens eine Pause eingelegt oder das Spiel vollständig beendet werden. Denken Sie daran, Ihren Welpen auch während dem Spiel hin und wieder abzurufen und ihn nach Abholen seiner Belohnung sofort wieder ins Spiel zu schicken.
Im Idealfall sollten Sie auch gezielt kurzschnäuzige Hunderassen treffen, damit sich Ihr Hund an das ungewöhnliche Aussehen gewöhnt. Auch verschiedene Größen von Hunden sind sinnvoll. Sollte der Größenunterschied zu groß sein, muss nicht zwangsläufig gespielt werden. Ihr Hund gewöhnt sich auch an die andere Größe, wenn er nur eine Runde mit dem "Riesen" oder "Winzling" gemeinsam spazieren geht.

 

Sollten Sie unsicher sein, wann Sie im Spiel eingreifen müssen, beraten wir Sie dazu gerne in einem Online-Einzeltraining anhand von Ihnen erstellter Videos des Spiels.

 

Bleiben Sie gesund!

Herzlichst, Ihre

LieblingshundeSchule

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